B’90 / DIE GRÜNEN, Fraktion, Rudolf-Diesel-Str. 40, 52525 Heinsberg

 

Stadt Heinsberg 

Bürgermeister 

Apfelstr. 60

52525 Heinsberg

 



Offener Brief an den Bürgermeister der Stadt Heinsberg als Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung der Stadtwerke Heinsberg GmbH zur Bädersituation

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dieder,

in Anlehnung an den offenen Brief der SPD-Fraktion vom 05.08.2015 möchten auch wir Ihnen unsere Sicht zur Bädersituation und des in diesem Zusammenhang einberufenen Arbeitskreises schildern. 

Unabhängig von dem vorliegenden Gutachten zur Bädersituation in unserer Stadt ist unsere Fraktion der Ansicht, dass eine Kreisstadt in der Größe Heinsbergs auf jeden Fall, neben einem Hallenbad, auch ein Freibad betreiben sollte. Dieser Ansicht sind wir auch vor dem Hintergrund, dass Bäder im Regelfall nicht die Kosten erwirtschaften, die sie verursachen und deshalb bezuschusst werden müssen. 

Auch wenn ein Freibad, wie im Gutachten deklariert wenig genutzt wird, so stellt es dennoch einen wichtigen Faktor zur Attraktivität unserer Stadt dar und bietet darüber hinaus unseren  Bürgerinnen und Bürgern ein besseres Freizeitangebot. Auch und gerade für unsere Jugend bildet ein Freibad einen wichtigen Baustein für eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Dies umso mehr, wo es in unserer Stadt immer weniger Freizeitmöglichkeiten für unsere Jugend gibt (z.B.: Schliessung der kirchlichen Jugendheime, etc.). Ein See wie der Lago Laprello kann keine Alternative zum Freibad sein, sondern höchstens ein zusätzliches Angebot darstellen. 

Aus diesen Gründen sind auch wir der Ansicht, dass alle Anstrengungen unternommen werden sollten, mindestens ein Freibad langfristig zu sichern oder nach anderen “echten“ Alternativen zu suchen. 

Die Einrichtung eines Arbeitskreises erfolgte nach unserem Verständnis mit dem Ziel, bis Sommer 2015 ein Konzept für die Bäderlandschaft in Heinsberg zu erstellen. Dabei sollte der Arbeitskreis unvoreingenommen und ohne Beschränkungen alternative Lösungen (z.B.: Kombibad, Spaßbad, Bürgerbad, o.Ä.) mit einbeziehen.  
 
Wir stellen fest, dass der Arbeitskreis lediglich ein einziges Mal am 16. Juni 2015 für ca. ein bis zwei Stunden getagt hat. Es kann unterstellt werden, dass diese kurze Tagungszeit mit Sicherheit nicht ausreichen kann, um das Thema hinreichend und in einer Detailtiefe zu erörtern, wie es nach vernünftigen Maßstäben geboten wäre und der Wichtigkeit des Themas geschuldet ist. Nach unserer Einschätzung hat sich der Arbeitskreis nicht mit  Alternativen befasst und sich scheinbar vorschnell auf eine Schliessung beider Freibäder festgelegt.
Nach den uns vorliegenden Informationen wurde jedoch keine Abstimmung hierüber durchgeführt. Aus diesem Grund verwundert es uns sehr, warum in den Mitteilungen des Bürgermeisters in der Ratssitzung am 24.06.2015 von einer einstimmigen Empfehlung des Arbeitskreises gesprochen wurde.
 

Nach unserer Auffassung ist der Arbeitskreis noch nicht mal im Ansatz der Aufgabe gerecht geworden, für die er seinerzeit gebildet wurde. Entsprechend sehen wir die Notwendigkeit, den Arbeitskreis erneut einzuberufen (wenn nötig auch mehrfach) und unvoreingenommen und ohne Beschränkungen auch Überlegungen zu möglichen Alternativen anzustellen und zu erarbeiten. Gegebenenfalls sollten auch Vertreter der Interessengemeinschaften zum Erhalt der Freibäder als “beratende“ Stimmen mit eingeladen werden oder zumindest zu Wort kommen dürfen. 

Wir sind der Auffassung, dass alle Anstrengungen unternommen werden sollten, langfristig wenigstens ein Freibad zu sichern. Ein Beschluß für eine Schliessung der Freibäder sollte nur dann gefasst werden, wenn alle anderen Möglichkeiten durchdacht und bewertet wurden und es nach objektiven Maßstäben keine wirkliche Alternative gibt.   

Wir sehen es, ähnlich wie die SPD-Fraktion, dass derzeit keinen Handlungsdruck besteht und deshalb die Ergebnisse der weiteren Beratungen des Arbeitskreises abgewartet werden sollten. 

Aus diesem Grund unterstützen wir den von der SPD-Fraktion angekündigten Antrag in der nächsten Gesellschafterversammlung, keine Entscheidung über die Schließungen der Freibäder zu fällen und erwarten eine Reaktivierung des Arbeitskreises. 

 

Freundliche Grüße

Willi Mispelbaum (Fraktionssprecher)

 

 

Zauberer will nicht mit Illusionen punkten

Hobby-Magier Willi Mispelbaum setzt bei seiner Bürgermeister-Kandidatur für die Grünen in Heinsberg auf „handfeste Themen“

Willi Mispelbaum

Der 56-jährige Willi Mispelbaum möchte in Heinsberg Bürgermeister werden.


Bei der Kommunalwahl im Mai hofft Willi Mispelbaum darauf, dass vor allem jüngere Wähler an der Urne für ihn und die Politik der Grünen stimmen.

Heinsberg. Beinahe wäre es zu einem Wettstreit um den Heinsberger Bürgermeistersessel gekommen, der ausschließlich von „Wiederholungstätern“ bestritten wird. Nachdem der amtierende Wolfgang Dieder seine erneute Kandidatur erklärt hatte und von der CDU bestätigt wurde, warf auch der SPD-Vorsitzende Dr. Hans Josef Voßenkaul erneut seinen Hut in den Ring – wie schon 2009. An die Stelle der damaligen Herausforderin Birgit Ummelmann von den Grünen tritt diesmal jedoch Ortsverbands-Sprecher Willi Mispelbaum. Unser Redakteur Rainer Herwartz sprach mit dem Newcomer unter den Bürgermeister-Kandidaten.

 

Sich als Bürgermeisterkandidat einer Partei ins Rampenlicht zu begeben, ist ja durchaus eine Herausforderung. Hat es einer Menge Überredungskunst bedurft, Sie zu diesem Schritt zu bewegen, oder haben Sie sich selbst ins Spiel gebracht?

Mispelbaum: Grundsätzlich hatte ich mir über eine Bürgermeister-Kandidatur zunächst gar keine Gedanken gemacht, bis ich von mehreren Mitgliedern unseres Ortsverbandes direkt angesprochen wurde, mich doch für dieses Amt zur Verfügung zu stellen und zu kandidieren.

War es denn für Sie eine leichte Entscheidung?

Mispelbaum: Aufgrund des mir damit entgegengebrachten Vertrauens in meine Eignung habe ich darüber einige Wochen nachgedacht, Gespräche geführt und auch Informationen gesammelt und mich dann entschlossen, als Bürgermeister zu kandidieren. Es bedurfte somit keiner großen Überredungskunst. Meine Motivation für diese Kandidatur ist aber auch darin begründet, weil Heinsberg mein Geburts- und Wohnort ist, in dem ich nun schon seit 56 Jahren lebe, dessen Strukturen und Besonderheiten ich kenne und dem ich mich verbunden fühle.

Grundsätzlich hatten die Grünen in der Vergangenheit im „schwarzen“ Heinsberg stets einen schweren Stand. Liegt es an den Themen, für die sie in den Augen der Bevölkerung stehen?

Mispelbaum: Es ist richtig, dass wir es als Grüne in der Vergangenheit hier in Heinsberg nicht immer einfach hatten. Ob es an den Themen gelegen hat, kann ich nicht beurteilen. Möglich ist auch, dass sogar bundespolitische Gründe eine Rolle gespielt haben. Mit der von mir vertretenen Kommunalpolitik möchte ich neue Akzente setzen, innovative Wege gehen und konservatives Denken und Handeln durchbrechen. Ich bin zuversichtlich, viele Heinsberger und Heinsbergerinnen mit den Themen, für die ich stehe, überzeugen zu können.

Traut man Ihrer Partei denn vielleicht nicht zu, eine Kommune wie Heinsberg führen zu können?

Mispelbaum: Ob man uns Grünen nicht zutraut, eine Kommune wie Heinsberg zu führen, kann ich nicht beurteilen. Das müsste man die Wähler fragen. Mittlerweile sollte dies eigentlich kein Thema mehr sein, denn ein grüner Ministerpräsident, 37 grüne Bürgermeister und sechs Oberbürgermeister haben schon unter Beweis gestellt, dass Grün es nicht nur kann, sondern es auch besser machen kann! Ich kann nur sagen, ich traue es mir zu und bin zuversichtlich, unsere Stadt Heinsberg gemeinsam mit der Verwaltung in eine vielversprechende Zukunft zu führen.

Die Fraktionssprecherin der Grünen im Rat, Birgit Ummelmann, landete bei der letzten Bürgermeisterwahl am Ende abgeschlagen bei 8,1 Prozent der Wählerstimmen. Wie sehen Sie Ihre Chancen im Mai?

Mispelbaum: Ich sehe der Kommunalwahl zuversichtlich entgegen. Ich denke, wir sind als Grüne hier in Heinsberg richtig aufgestellt und ich gehe davon aus, dass wir viele Themen in unserem Kommunalwahlprogramm berücksichtigen, die von allgemeinem Interesse hier in Heinsberg sind. Wir sagen den Wählern vorher, was wir vorhaben und was sie von uns erwarten können. Von den Christdemokraten kommt da meines Erachtens in dieser Detailtiefe recht wenig.

Was meinen Sie damit genau?

Mispelbaum: Ich vermisse klare Positionierungen zu bestimmten Themen. Ich bin mir nicht sicher, ob deren Taktik „nichts zu versprechen, um nachher nichts halten zu müssen“ weiterhin aufgeht. Auch bezweifle ich, dass viele Bürger in Heinsberg weiterhin eine Einparteien-Regierung wünschen, für die Bürgerbeteiligung schon fast ein Fremdwort ist und die ihren Regierungsanspruch demonstrativ durchsetzen will, wie zum Beispiel in der Schulpolitik im letzten Jahr. Ich denke, viele Heinsberger wollen nicht länger von einer schwarzen Ratsmehrheit bevormundet werden, sie wollen mitreden und mitgestalten und deshalb ist es Zeit für Erneuerung! Außerdem sind seit der letzten Kommunalwahl fünf Jahre vergangen und damit werden eine Menge jüngerer Wähler jetzt wählen dürfen. Ich gehe davon aus, dass die jüngeren Wähler eher Parteien mit innovativen Themen wählen, statt konservatives Denken und Handeln weiter zu unterstützen.

Sie fungieren als sachkundiger Bürger im Bauausschuss sowie im Schul- und Kulturausschuss. Sehen Sie in diesen Bereichen auch Ihre wesentlichen Talente?

Mispelbaum: Aufgrund meiner persönlichen Interessen und Erfahrungen im Bereich Bauen sowie als dreifacher Familienvater ist es sicherlich mein Anliegen, mich in den beiden genannten Bereichen einzubringen. Daneben sehe ich aber meine Interessenschwerpunkte auch in den Bereichen Soziales, Bürgerrechte, Umwelt- und vor allem Tierschutz.

Apropos Talent – als passionierter Zauberer sind Sie ja ein Meister der Illusion. Haben Sie den Eindruck, dass derlei Fähigkeiten in der Politik bisweilen hilfreich sein können?

Mispelbaum: Als regional bekannter Zauberkünstler habe ich mit dieser Frage gerechnet. Manchmal wünschte ich mir schon, richtig zaubern zu können, um so alle Probleme einfach eliminieren zu können. Aber dies ist eben ein Wunschtraum. In der Kommunalpolitik möchte ich jedoch keineswegs illusionieren, hier möchte ich mit handfesten Themen überzeugen und Heinsberg voranbringen. Ich möchte etwas bewegen, ich möchte mehr gestalten statt verwalten.

Wenn man sich die Zielsetzungen von Kandidaten und Ratsparteien anschaut, unterscheiden die sich in vielerlei Hinsicht kaum. Alle wollen den Schuldenabbau in der Haushaltskasse, eine gute Bildung für die Kinder, mehr Arbeitsplätze durch Gewerbeansiedlungen oder Umwelt- und Klimaschutz. Gibt es dennoch eine Art Maxime, die Sie dabei von den anderen unterscheidet?

Mispelbaum: Jede Ratspartei und jeder Kandidat würde grob fahrlässig handeln, Themen wie zum Beispiel die Haushaltskonsolidierung, Bildung und Arbeitsplätze nicht in den Fokus zu nehmen. Von daher unterscheiden sich die Zielsetzungen zu diesen Themen wohl kaum voneinander. Ich denke die Unterschiede liegen in anderen Bereichen. Gerade zu Themen des Umweltschutzes haben wir Grünen mehr Antworten als andere, die lediglich das Thema selbst nennen. So spreche ich mich gegen Fracking und Massentierhaltung im städtischen Umland aus und lehne auch den „Gülletourismus“ aus den Niederlanden ab, der unsere ohnehin schon nitratbelasteten Böden überproportional belastet. Daneben möchte ich einen Jugend-, Senioren- und Behindertenbeirat etablieren, der die Interessen der einzelnen Gruppen nach vorne bringt. Auch einen Sozialpass für Geringverdiener möchte ich einführen, um diesen die Teilnahme an diversen Veranstaltungen zu ermöglichen. Das Jugendangebot in Heinsberg sehe ich als dringend verbesserungswürdig an. Auch möchte ich die Hundesteuer langfristig abschaffen, wenn es unser Haushalt wieder erlaubt.

Verzeihen Sie, ich bin selbst Hundebesitzer, aber das riecht ein wenig nach Wählerfischen mit netten Gefälligkeiten.

Mispelbaum: Ich möchte betonen, dass es mir dabei nicht um populistischen Wahlkampf und um Wählerstimmen der Hundehalter geht, sondern dass es meine Überzeugung und Einstellung zum Thema ist.

Und wie war das nun mit der Maxime?

Mispelbaum: Wenn Sie mich auf eine Maxime ansprechen, dann möchte ich klar sagen: Ich stehe für ein Höchstmaß an Bürgerbeteiligung, Mitgestaltung und Transparenz, die ich in der von mir beabsichtigten Ausprägung von keinem anderen Kandidaten vernommen habe. Als Bürgermeister möchte ich für die Bürger da sein, ich identifiziere mich mit ihnen und möchte ein offenes Ohr für ihre Belange haben. Ich bin einer von ihnen und deshalb lautet mein Wahlspruch: „Einer von uns – einer für uns!“

Einige Informationen
zur Person

 

Willi Mispelbaum ist 56 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Er lebt seit der Geburt in Heinsberg.

Seine Hobbys sind seine zwei Hunde, Campingurlaub mit Wohnmobil und die Zauberei.

Nach dem Mittleren Bildungsabschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Elektro-Installateur, dann folgten zwölf Jahre bei der Bundeswehr, davon ca. acht Jahre in der Bundeswehrverwaltung im Bereich „Rechnungslegung und Finanzen“.

Die Kaufmannsgehilfenprüfung und die Ausbildereignungsprüfung legte Mispelbaum ebenfalls ab, ebenso wie eine Ausbildung zum Staatlich geprüften Betriebswirt EDV und geprüften Wirtschaftsinformatiker (Hwk). Seit 1991 ist er als DV-Organisator und Informatiker tätig.

Der Ton wird rauer im Heinsberger Rat

Nur CDU und FDP stimmen dem Haushalt 2014 zu. Von Verschleierung und Selbstüberschätzung ist im Vorfeld der Wahl die Rede.

Von Rainer Herwartz

Heinsberg. Die Kommunalwahl am 25. Mai rückt unaufhaltsam näher und der Ton wird rauer im Rat der Stadt Heinsberg. Bei der jüngsten Sitzung, in der es im Wesentlichen um die Verabschiedung des Haushalts ging, verabschiedeten sich die Protagonisten der konträren Fraktionen denn auch recht schnell von übertriebenen Höflichkeitsfloskeln. Stattdessen fanden Begrifflichkeiten wie Populismus, Selbstüberschätzung, Konzeptlosigkeit, Klientelpolitik, Verschleierung oder das Sich-schmücken-mit-fremden-Federn begeistert Verwendung. Bevor der Haushalt 2014 mit den Stimmen von CDU und FDP abgesegnet werden konnte, kamen dann auch noch einige Fakten auf den Tisch. Und die waren nicht immer erfreulich angesichts der Tatsache, dass trotz höherer Erträge von 2,9 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr der Fehlbetrag im Ergebnisplan aus laufender Verwaltungstätigkeit immer noch 6,1 Millionen Euro beträgt. Das Eigenkapital wird sich bis Ende 2014 seit 2009 von 166,3 Millionen Euro um rund 42,1 Millionen Euro verringern.

Entscheidende Ursachen

Bürgermeister Wolfgang Dieder, der wie schon in den Jahren zuvor die entscheidenden Ursachen für die Knappheit der Kassen der Kommunen in den durch Bund und Land aufgebürdeten sozialen Kosten sieht, nannte als Beispiele unter anderem die zu zahlenden Eingliederungshilfen oder die Kosten für die U 3-Betreuung. Gleichwohl hob er positiv hervor: „Wir haben uns mit dem Haushalt 2014, wenn auch zunächst nur in geringem Umfang, entschuldet.“ Am Ende des Jahres 2017 könne sich Heinsberg so um fünf Millionen Euro entschuldet haben. Grundsätzlich dürfe nicht vergessen werden, dass Heinsberg bei einer Einwohnerzahl von 40 960 mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 991,32 Euro im Vergleich zum Landesdurchschnitt (3255,65 Euro) und selbst dem Kreisdurchschnitt (1328,78 Euro) noch passabel dastehe. Das Zahlenbeispiel ermöglichte dann auch den Sprung zu der Feststellung, dass die Kreisstadt offenbar so attraktiv sei, dass sie bevölkerungsmäßig entgegen demografischer Prognosen wachse. Mit 236,6 Millionen Euro liege Heinsberg nicht nur beim Einzelhandelsumsatz mit großem Vorsprung auf Platz eins im Kreis. Auch im Hinblick auf die Berufspendler sei Heinsberg die einzige Kommune im Kreis, mit einem Überschuss. Daran, dass Neuerungen wie die reaktivierte Bahnstrecke Heinsberg – Lindern oder die Verlegung von Glasfaser die Attraktivität der Stadt steigern würden, besteht aus Dieders Sicht kein Zweifel. Vielleicht wird seine eigene „Attraktivität“ als Bürgermeister bei den Oberbruchern nach seinem Bekenntnis zur Festhalle steigen. „Um es ganz klar zu sagen: Ich beschäftige mich nicht mit dem Abbruch der Halle oder mit anderen Schreckgespenstern.“

Dazu passte später der Hinweis von Wilfried Louis, dem Fraktionschef der CDU, dass auch 2014 insgesamt 150 000 Euro für die Unterhaltung der Halle eingeplant seien. Sollte übrigens bis zum 1. September kein Pächter oder Investor gefunden sein, wird der Ortsring die Einzelheiten der Nutzung wie Organisation oder Bewirtung regeln.

„Entsprechend unseres Beschlusses, keine Netto-Neuverschuldung einzugehen, sind im Haushaltsplan nur noch Investitionen in Höhe von 6,1 Millionen Euro veranschlagt, das sind rund 4,7 Millionen weniger als im Vorjahr“, sagte Louis. Die CDU-Fraktion werde noch in diesem Jahr eine Änderung der Hebesatzung mit der Maßgabe beantragen, die Ertragsausfälle 2014 zu kompensieren und eine für Grundbesitzer und Gewerbetreibende ausgewogene Belastung zu erzielen. Auch nicht mehr genutzte städtische Immobilien sollten aufgegeben werden. In dem Zusammenhang attackierte Louis vor allen die SPD und ihren Vorsitzenden Dr. Hans Josef Voßenkaul. „Es erscheint mir im höchsten Maße populistisch, das Vorgehen der Mehrheitsfraktion zu missbilligen, ohne auch nur im Ansatz selbst konstruktive Vorschläge zur Haushaltskonsolidierung vorzustellen.“ Voßenkaul leide überdies wohl an „Selbstüberschätzung“, wenn er glaube, „der bessere Mann“ im Bürgermeisteramt zu sein.

Was wird aus den Bädern?

Die Frage übrigens, was aus den drei Bädern der Stadt werden soll, die ein jährliches Minus von einer Million Euro erwirtschafteten und völlig überdimensioniert seien, möchte die CDU erst nach der Kommunalwahl beantworten. Eine solche Entscheidung müsse „frei von Emotionen“ fallen.

Nicht nur hier widersprach SPD-Fraktionschef Ralf Herberg. Er warf Dieder und der CDU vor, die tatsächlichen Verhältnisse in der Stadt zu verschleiern und anstatt ein Konzept zu haben auf eine Erleuchtung zu warten. Der „Sanierungsfall“ Festhalle sei da nur ein Thema von mehreren. „Vor der Kommunalwahl 2009 verschweigen sie die wegbrechenden Gewerbesteuereinnahmen und gaukeln den Bürgern ein intaktes Finanzgebaren vor. Zugunsten von Gewerbetreibenden verzichten sie auf Millionen von Gewerbeeinnahmen. Das ist Klientelpolitik.“ Zudem schmücke sich Dieder in Sachen Klimaschutz und Gesamtschule jetzt „mit fremden Federn“.

Obwohl auch der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Heinrich Schmitz die „vernachlässigte“ Festhalle Oberbruch bemängelte und in der Bäderfrage eine Einbeziehung der Bürger forderte, verschlossen sich die Liberalen dem Haushalt nicht. Anders als die Grünen. Birgit Ummelmann vermisste „drastische Maßnahmen“, um das Defizit zu verringern. „Wir müssen weg vom Kirchturmdenken.“ Es müssten Synergien erkannt werden, die eine Kommune biete. Im Bereich der Feuerwehren sei dies geschehen. „Dieser Gedanke kann auch auf Schulen, Vereinsanlagen, Freizeiteinrichtungen, Bürgerhäuser oder Veranstaltungshallen übertragen werden.“

„Um es ganz klar zu sagen: Ich beschäftige mich nicht mit dem Abbruch der Halle.“

Wolfgang Dieder,

Bürgermeister von Heinsberg

 

Quelle Heinsberg Volkszeitung

Vom 15.03.2014

Mispelbaum ist Spitzenkandidat

56-jähriger Grüner einstimmig zum Herausforderer von Dieder gewählt


Dem Bürgermeister-Kandidaten der Grünen in Heinsberg gratulierten Birgit Ummelmann (links) und Maria Meurer. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Neben CDU und SPD stellt jetzt auch die Partei Bündnis 90/Die Grünen einen Kandidaten für die Wahl des Bürgermeisters am 25. Mai. Alle elf stimmberechtigten Mitglieder votierten bei der Versammlung des Ortsverbands in der Gaststätte Bodens in Kirchhoven für Willi Mispelbaum. Der 56-jährige Familienvater lebt seit seiner Geburt in Heinsberg und arbeitet als Informatiker. Den Grünen gehört er seit 1999 an, seit 2011 ist er Sprecher des Ortsverbands. Seit 2009 engagiert er sich als Hauptschöffe am Landgericht in Aachen. Sachkundiger Bürger ist er im Heinsberger Bauausschuss seit 2009, im Schul- und Kulturausschuss seit 2013.

Er wolle sich als Bürgermeister für ein Höchstmaß an Bürgerbeteiligung, Mitgestaltung und Transparenz einsetzen sowie „konservatives Denken und Handeln durchbrechen“, sagt Mispelbaum. Dafür sei er bereit, innovative Wege zu gehen. „Einer von uns – einer für uns!“ lautet sein Wahlspruch, „mehr gestalten statt verwalten“ seine Devise. Als wesentliche Ziele formulierte er eine Haushaltskonsolidierung, ein breites Bildungsangebot, eine aktive Sicherung von Arbeitsplätzen und eine Belebung der Apfelstraße und einen aktiven Umwelt- und Tierschutz.

Mispelbaum fordert einen Jugend- und einen Seniorenbeirat für Heinsberg, einen Sozialpass, der es auch Bürgern mit geringem Einkommen ermöglichen soll, an Veranstaltungen teilzunehmen, und die Aufstellung eines sogenannten Alterskatasters. Nach Lösungen suchen will er schließlich für den Erhalt beider Freibäder und der Festhalle in Oberbruch. „Ich möchte für diese, unsere Stadt Heinsberg Bürgermeister werden und sie mit meinem Wissen und Können und mit meiner ganzen Person und Persönlichkeit nach vorne bringen und nach innen und außen vertreten“, schloss er seine Rede.

Gewählt wurden während der Versammlung auch die Direktkandidaten von Bündnis 90/Die Grünen für die 22 Wahlkreise in Heinsberg: Jill Pelzer (1, Waldenrath/Straeten), Regina Schaaf (2, Uetterath/Randerath), Dietrich Kempken (3, Porselen/Horst), Alfred Schaaf (4, Dremmen), Helmut Ummelmann (5, Dremmen), Christian Mispelbaum (6, Oberbruch), David Ummelmann (7, Oberbruch), Peter Mai (8, Oberbruch), Erika Bugdoll (9, Oberbruch), Robert Hanstein (10, Unterbruch), Elke Rohlfing (11, Schafhausen/Schleiden), Birgit Ummelmann (12, Aphoven/Laffeld/Scheifendahl/Erpen), Willi Mispelbaum (13, Heinsberg), Gisela Johlke (14, Heinsberg), Claudia Mispelbaum (15, Heinsberg), Kurt Kornmesser (16, Heinsberg), Norbert Berens (17, Lieck), Roland Schößler (18, Kirchhoven), Gabriele Schößler (19, Kirchhoven), Marjan Grubar (20, Kempen/Unterbruch), Diana Mevissen (21, Karken), Angelika Mix (22, Karken). Die ersten fünf Kandidaten der Reserveliste sind Birgit Ummelmann, Willi Mispelbaum, Gabriele Schößler, Roland Schößler und Gisela Johlke. (anna)

„Mehr gestalten statt verwalten.“

Bürgermeisterkandidat Willi Mispelbaum und seine Devise

Sa, 8. Jun. 2013
Heinsberger Zeitung / Lokales / Seite 19

100 Prozent für den Vorstand

Heinsberger Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen wählt Parteispitze einstimmig wieder. Weiter mit Willi Mispelbaum an der Spitze. Nur Ja-Stimmen im Zylinder. Kritische Töne zum Fracking.

 

Heinsberg. Nur 100-Prozent-Ergebnisse gab es bei den Vorstands-Neuwahlen im Ortsverband Heinsberg von Bündnis 90/Die Grünen. Zunächst wurde der bisherige Sprecher Willi Mispelbaum von den anwesenden neun der 14 Mitglieder des Ortsverbands einstimmig wiedergewählt. Mit gleichem Ergebnis wurde Kassiererin Edith Schaaf in ihrem Amt bestätigt. Neu im Vorstand sind Helmut Ummelmann als Schriftführer und Gabi Schößler als Beisitzerin. Auch für diese beiden Vorstandsmitglieder landeten sämtlich mit Ja beschriebenen Zettel in dem schwarzen Zylinder, den Mispelbaum zu diesem Zweck mitgebracht hatte.

Giftige Abwässer

Gast des Abends war Hans-Josef Dederichs, Bundestagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen. In seinem Referat schilderte er den Parteimitgliedern die Probleme, die aus seiner Sicht beim sogenannten Fracking, der Gewinnung von Gas aus tiefen Gesteinsschichten, entstehen können. Negativ an dieser Methode sei, dass dabei große Mengen an giftigen und radioaktiven Abwässern entstehen würden. „Und was unten in der Erde passiert, weiß kein Mensch.“ Gefahren sieht Dederichs bei dieser Methode vor allem für das Trinkwasser. Daher sei diese Methode der Gasgewinnung für die Grünen ausgeschlossen, solange sie nur mit giftigen Chemikalien möglich sei, die in die Gesteinsschichten eingeleitet werden müssten. (anna)

   

Kalender / Termine  

August 2019
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 31
   
© ALLROUNDER 2017

Login Form